Wie deine Kreativität die Leere füllt ... und die Leere deine Kreativität bereichert





Ihr Lieben, ❤️


das Finde-Leere-Spiel hat in unserer Facebookgruppe einiges in Bewegung gebracht, daher möchte ich nochmal tiefer auf das Thema Leere und Fülle eingehen.


Wenn wir eine Leere in unserem Leben wahrnehmen, kann das eine sehr wundervolle und erweiternde Erfahrung sein, und es kann ebenso auch eine sehr beklemmende, einschränkende Erfahrung sein. Das hängt von der jeweiligen Situation und vor allem von unserem Blickwinkel ab, aus dem heraus wir diese Leere betrachten.


Eine Teilnehmerin hat es ganz wundervoll beschrieben: Die Leere kann faszinierend sein wie ein neues, leeres Buch, ein unbeschriebenes Blatt Papier, und genauso kann dieses unbeschriebene Blatt Papier eine Schwelle darstellen, für deren Überwindung wir Mut brauchen, die wir eigentlich nicht und eigentlich doch überwinden wollen, doch uns nicht als perfekt genug empfinden.

Wir fragen uns, ob wir überhaupt perfekt genug sind, ob wir es wert sind, dieses heilige Leere zu füllen, ob wir es richtig und gut genug machen.

Oft ist tauchen dann diese oder ähnliche Fragen auf: „Bin ich überhaupt gut genug?“ „Ja, wie mache ich es denn?“ „Was ist der richtige Weg?“ „Und was ist, wenn ich es nicht richtig mache?“ „Und was, wenn ich vom Ergebnis enttäuscht bin?“ „Und was ist, wenn ich Zeit, Raum, Energie – was auch immer – verschwende?“


Mir kommt dazu eine Metapher in den Sinn, von der ich mal irgendwo gelesen habe. Dort wurde ein kleines Kind beschrieben, dass sich mit einer Serviette vom langweiligen Gespräch am Kaffeetisch (also empfundener Leere ;-) ) in irgendeine Ecke im Zimmers setzt und mit dieser Serviette herumspielt, sie faltet, fliegen lässt, was auch immer. Völlig eins mit dieser Serviette, ohne etwas zu wollen, einfach nur, weil es selbst da ist und die Serviette da ist, und es schön, ist, damit etwas zu machen. Bei einem solchen Spiel entstehen ganz von selbst Bilder in deinem Kopf, das Spiel wird lebendig, die Bilder und Gefühle dazu vergrößern es. Es entsteht Fülle, eine ganz neue, fantasievolle Welt.


Das Kind denkt dabei nicht über den Sinn des Spiels nach. Es entsteht einfach aus dem Moment heraus. Danach wird wieder etwas anderes entstehen - eine neue Leere, die wieder in eine neue Fülle gewandelt wird. Und all das macht Sinn. Es ist kreativ, das Kind entwickelt sich weiter, über seine Fantasie und sein Spiel, bekommt neue Ideen und Fähigkeiten.


Es geht nicht darum, perfekt sein zu wollen, oder etwas „richtig“ zu machen. Oder zur richtigen Zeit genau „das Richtige“ machen zu wollen. Weder im Beruf oder dem Erlernen neuer Fähigkeiten, weder in der Partnerschaft und Familie, noch im Bereich von Bewusstsein und Spiritualität – oder in welchem Bereich unseres Lebens auch immer. Es „richtig“ machen zu wollen, oder „das Richtige“ machen zu wollen kann uns seeehr ausbremsen. Es bleibt sehr oft von uns selbst getrennte Theorie.

Selbst wenn es darum geht, uns in einem Bereich sehr stark zu verbessern, professionell zu werden, Experte zu werden, geht das immer über das ausprobieren und die Kreativität und unser Gefühl dazu, welches dabei aus uns selbst heraus entsteht.


Ich habe mich in meinem Geigenstudium zum Beispiel immer dann am schnellsten und leichtesten verbessert, wenn ich mich mit meinem Gefühl zur Musik verbunden habe und nicht auf „richtige äußere Technik“ geachtet habe oder irgendwelche Anweisungen, wie es angeblich zu gehen hat. Es war das Klang und das innere Berührtsein, an dem ich mich orientiert habe. In dieser Verbindung hat dann auch die zuvor wie „getrennt“ erscheinende Technik wieder Sinn gemacht. Eben genau so, wie sie für mich passte. Und das konnte ich dann auch wundervoll umsetzen. Das zu verstehen, hat allerdings auch eine Weile gedauert, in der ich gefühlt immer wieder gegen Wände gelaufen bin, an mir gezweifelt habe, usw. Doch als ich diese Verbindung entdeckt hatte, wurde alles viel leichter: Die Verbindung von mir selbst mit den Techniken und Möglichkeiten und dem, was ich kreieren wollte.


Auf die gleiche Weise habe ich meine bewusste Wahrnehmung immer mehr erweitert, sodass ich damit inzwischen wunderbar arbeiten kann und sehr viele Menschen wirkungsvoll unterstützen kann. Auch dabei habe ich mich nicht starr daran orientiert, wie es angeblich „richtig“ geht, sondern ich orientiere mich immer wieder an dem, was sich für mich stimmig anfühlt, mich berührt und wirkungsvoll ist.


Orientierungen, Methoden, Regeln, Techniken usw. sind eine gute Sache. Sie inspirieren uns, zeigen uns Wege, unterstützen uns bei der Entwicklung unserer Fähigkeiten, sind Werkzeuge, ohne die wir in den verschiedensten Bereichen einfach überhaupt nicht dort wären, wo wir jetzt sind. Sie zeigen uns, wo wir gerade sind und führen uns weiter. Doch sie sind Werkzeuge, die wir auf unsere eigene, ganz persönliche Art benutzen können, wenn wir uns in dieser Anwendung mit uns selbst verbinden. Es geht immer wieder darum, unsere Eindrücke und all den Input, der uns im Leben begegnet, wieder mit uns selbst zu verbinden. Es geht darum, für uns das mitzunehmen, was uns weiterhilft, und nichts von alldem als etwas Starres zu betrachten. Was dem einen weiterhilft, mag den anderen ausbremsen. Und manchmal machen die Dinge erst Sinn für uns, wenn wir uns ihnen von einer ganz anderen Seite aus nähern.


All der Input, der uns in unserem Leben begegnet, ist wie diese Serviette in der Metapher. Wir können etwas damit machen, unsere eigenen Bilder, unser eigenes Spiel dazu entstehen lassen, so wie es für uns passt und uns genau in diesem Augenblick erfüllt, und etwas Neues daraus entstehen lassen. Etwas, das uns tief berührt und erfüllt. Wir nehmen das, was da ist, verbinden es mit uns selbst und öffnen uns gleichzeitig für die Möglichkeiten, die daraus ganz neu entstehen können. Das geht dann am leichtesten, wenn wir uns nicht auf eine Art und Weise, auf ein Ergebnis oder einen Weg fokussieren, sondern uns öffnen und uns ausprobieren und immer wieder neu mit dem verbinden, was sich gerade gut anfühlt. Das ist Kreativität. Daraus entstehen wundervolle Entwicklungen, große Freude und Erfüllung.


Jede Form von Kreativität und Verbindung mit uns selbst führt uns weiter. Egal im welchem Bereich unseres Lebens. Und auch innerhalb der Bereiche unseres Lebens gibt es nicht nur den „einen“ Weg, sondern die Möglichkeit, uns mit vielen Möglichkeiten zu verbinden und uns kreativ auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Und immer wieder auch die Leere zu begrüßen, um wieder neue Möglichkeiten und Entwicklungen zu entdecken und kreativ zu füllen.

Wir leben in einer sehr bunten Welt, und ich wünsche euch viel Freude dabei, diese Buntheit immer wieder neu zu entdecken, zu erleben und zu feiern. 🤗


Liebe liebe Grüße! ❤️

Dagmar

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